Leben mit und für die Pferde

Gastartikel Vogesenritt I/III

Unser Freundin Sabine war letztes Jahr im August auf einem 1000km Ritt von den Vogesen nach Reken zum Wanderreitertreffen. Sie hat mir -schon vor Weihnachten- erlaubt, ihren Bericht hier einzustellen. Die Bilder die Sabine mir gegeben hat, kann ich natürlich nicht passend einbinden, sie folgen dann in einem eigenen Beitrag. Also nun der Ritt in Sabine's Worten

Am 31.07.13 war es endlich soweit: Mein Lebensgefährte Uli brachte mein Pferd und mich nach Frankreich in die Vogesen – nach Anould zu Bekannten. Mit Isis, meiner selbstgezogenen Mangalarga Marchadorstute wollte ich mir endlich einen Traum erfüllen: 4 Wochen mit dem Pferd unterwegs sein. Die Gelegenheit war günstig: Ich hatte noch viel alten Urlaub und ein gutes Pferd. So bepackte ich Isis am nächsten Morgen und Uli fuhr wieder nach Hause in die Eifel. Da ich stets ohne Tross und mit allem Gepäck auf dem Pferd reite, ging dies routiniert und schnell von der Hand. Dieses Mal nahm ich ein leichtes Zelt mit, da ich die ersten 2,5 Wochen alleine und ohne festes Quartier unterwegs sein würde. Es war heiß in den ersten Tagen – über 34 Grad – und Isis versuchte vergeblich die zahlreichen und zum Teil auch sehr großen Insekten abzuwehren. Teilweise waren die Bremsen 4 cm groß und ungewohnt gelb-schwarz geringelt, ähnlich einer Hornisse. Dazu ihr dumpfes, alarmierendes Summen- da half auch das Bremsenspray nur wenig. Spätestens an der nächsten Steigung –und diese gab es genug in den Vogesen (wir sind bis auf 1.360 m Höhe geritten)- fielen sie wieder über uns her. Im ersten Nachtquartier auf einer Wiese neben einer hübschen kleinen neugierigen Shettydame trabte Isis nur hin und her. Aber es half nichts; sie musste sich einfach an die Plagegeister gewöhnen. Dagegen hatte ich es besser: Ich schlief nach einem leckeren Abendessen in einem kleinen Appartement mit Bett bei Freunden von den Bekannten aus Anould. In der darauf folgenden Nacht campierte ich dagegen auf einer Wiese im Zelt. Für Isis fand sich noch eine Ecke mit Gras, die provisorisch mit einem langen Seil und meiner zum Glück noch mitgenommenen Litze eingezäunt wurde. Wie gut, dass Isis auch ohne Strom darin blieb! Dank Kinderreitens noch spät am Abend gab es dann noch ein Abendessen von der neben der Wiese lebenden Großmutter eines der Kinder. In der nächsten Nacht war wieder Zelt angesagt; dieses Mal auf einer Wiese auf dem Gelände eines komplett eingezäunten Reiterhofs. Leider erfuhr ich erst zu spät, dass die Toiletten und das ganze Gelände ab 20.00 Uhr abgeschlossen wurden. Also musste ich den heutigen Abend alleine verbringen und das Abendessen aus den Packtaschen bestreiten. Übrigens das einzige Mal. Die anderen Tage fanden sich immer hilfsbereite Menschen, die mir Essen anboten. Und sei es nur 3 Eier mit Zwieback, da sie ansonsten selber nichts hatten. In Frankreich waren die schlechten Zäune eher ein Problem, eine gute Übernachtungsmöglichkeit für Mensch und Pferd zu finden. So war ich froh, dass ich Isis am nächsten Abend in einem Kuhfanggitter aus Leitplanken unterbringen konnte. Absolut ausbruchsicher (das wenige Futter würde ich am nächsten Tag mit mehr Fresspausen wieder ausgleichen) und ich konnte in Ruhe im Zelt neben dem Wohnhaus des jungen Landwirts schlafen. Anfangs war die Ehefrau skeptisch. Nachdem ich ihr klar gemacht hatte, dass ich nichts von ihrem Mann wollte, atmete sie sichtbar auf und ich wurde noch zu einem leckeren Reste-Essen und einem gemütlichen Abend eingeladen. Daneben grasten friedlich 240 Charolais incl. Deckbullen… Isis störte sich nicht an den Rindviechern. Später machten ihr selbst Schweine im Wildpark 2 m vom Zaun entfernt sowie Esel und Lamas nichts aus. Sie ging ganz entspannt und trittsicher über schmale Stege, an Wasserfällen und an schwindelnden Abgründen vorbei. Dabei stets gut gelaunt und mit erstaunlich schnellem und zugleich sehr bequemem Schritt von über 7 km/Stunde. Diesen Schritt hielt sie auch die gesamten 4 Wochen durch! Selbst nach einem langen Tag von neun Stunden. Einfach unglaublich, wie zäh und ausdauernd dieses kleine Pferdchen von nur 1,48 m Stockmaß und 480 kg Körpergewicht ist! Eben einfach typisch Mangalarga Marchador… Dazu musste sie incl. 15 kg Gepäck insgesamt 107 kg schleppen. Eigentlich zuviel- aber nicht für Isis. Sie lief stets locker und leicht und machte nie einen müden Eindruck. Natürlich bin ich auch tlw. neben ihr hergegangen (besonders bergab), um sie zu entlasten und die Durchblutung der Sattellage wieder anzuregen. Aber dann musste ich sie noch stets zurückhalten. Dies war mir auf Dauer zu anstrengend. Also wieder aufsteigen. Bei allem Eifer entging Isis aber nichts, besonders kein Obstbaum mit heruntergefallenen Früchten. Selbst ein bunter Fleck auf dem Boden wurde sofort auf seine evt. Fressbarkeit hin untersucht, wenn ich dies zuließ. Isis war schon als Fohlen ein Clown auf vier Beinen und hat eine ausgeprägte Mimik und Neugierde. Im Winter hatte ich ihr beigebracht, sich mit den Vorderhufen auf ein Podest zu stellen und rückwärts die Stufen hoch in den Stall zu gehen auf Kommando. Dies wurde jetzt dazu benutzt, bei Bäckereien (Frauchen isst gerne Teilchen) von selber auf die untersten zwei Treppenstufen zu steigen und dafür ein Brötchen zu bekommen. Auch unter das niedrige ausgeklappte Vordach vom Bäckerwagen ging sie ohne Zögern und sogar in die Eisdiele von Trier-Schweich. Daraufhin bat die Besitzerin, dies fotografisch festhalten zu dürfen…
Übersetze nach en fr

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.