Wanderreiten und mehr

"Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!"

Momentan befinde ich mich irgendwie in einem ziemlich großen Gefühls-Chaos.
Ich empfinde Trauer, weil ich Joey nie wieder reiten werde und mich schon bald vielleicht von ihm verabschieden muß.
Ich empfinde Mitleid mit ihm, weil ich fürchte, daß er Schmerzen oder zumindest ein größeres Unwohlsein im Kopfbereich ertragen muß.
Ich empfinde Schuld, weil ich mich bereits auf die Suche nach einem neuen Pferd machen mußte.
Ich empfinde dennoch Vorfreude, weil ich mich auf einen neuen Freizeitkumpel einlassen darf (was dann die Schuldgefühle noch verstärkt).
Ungefähr so sieht es in mir aus.

Gestern auf der Arbeit hatte ich eine Aufgabe, bei der ich viel Zeit zum Nachdenken hatte und da ging mir natürlich vieles durch den Kopf:
Treffe ich die richtigen Entscheidungen ?
Treffe ich die Entscheidungen zu rational oder zu emotional ?

Letztendlich bin ich dann zu den folgenden Überlegungen gekommen:

Ich kann nicht wissen, was Joey empfindet, aber ich muß davon ausgehen, daß er durch die Nervenreizung Schmerzen oder zumindest ein größeres Unwohlsein empfindet.
Joey hat kein Bewußtsein dafür, daß er vermutlich bald sterben muß. Daher belastet ihn das nicht.
Er hat ein zwanzig Jahre langes gutes Leben gehabt und hat nie leiden müssen.
Das will ich auch in Zukunft nicht ändern.

Desweiteren bin ich der Meinung, daß ich Joey nichts wegnehme, wenn ich mich bereits jetzt nach einen Nachfolger umschaue, zum einen, weil es sein muß, damit Jackson nicht allein bleibt, zum anderen, weil ich in meinem Leben einfach ein Pferd brauche.
Das bedeutet, daß ich wegen der Vorfreude keine Schuldgefühle haben muß.

Aber in mir drin ist trotzdem ein großes Chaos.
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5 Kommentare

Linear

  • Andrea  
    Hallo Kerstin, dein Gefühlschaos kann ich verstehen - ich hab meine Versprechen Shari gegenüber eingehalten - sie nicht lange leiden zu lassen (obwohl mir da keine andere Entscheidung übrig blieb) und ich war bis zu ihrem letzten Atemzug den sie mit ihrem Kopf in meinem Schoss gemacht hat bei ihr.
    und auch ich bin derzeit aktiv auf der Suche nach einem neuem Pferd weil es OHNE einfach nicht geht.
    du kennst Joey jetzt schon so lange - er wird dir sagen wann es nicht mehr geht !!!
    Wünsche dir ganz viel Kraft !!
    • Kerstin  
      Danke Andrea !
      Du kannst das wohl wirklich sehr gut nachvollziehen.
      Was ich bei mir jetzt besonders schwierig finde ist die Tatsache, daß ich eben nicht so wirklich feststellen kann, wie genau es Joey geht und, daß ich mich bereits jetzt sehr zügig um ein neues Pferd kümmern muß. Da kommen doch immer so Gedanken, als ob man Joey jetzt abschieben würde. Natürlich ist es nicht so, aber die Gefühle kommen doch immer mal hoch.
      Dennoch ist mir auch klar, daß ich ohne einfach nicht leben kann und möchte und daß ich mich auch auf ein neues Pferd freuen darf und soll.
      Nun ja... die Kraft muß ich einfach haben und natürlich werde auch ich Joey bis zum Ende begleiten.
  • Sigi Blümel  
    Loslassen ist schwer - ich kann dich sehr gut verstehen. Auch ich habe schon liebgewonnene Tiere gehen lassen müssen.
    Und ich finde es völlig legitim, daß du dich dennoch auf (d)ein neues Pferd freust.
    Vergessen wirst du Joey NIE! In deinem Herzen wird er auch weiterhin bei dir sein.
    Aber du entscheidest da vollkommen richtig.
    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Ich denke mit Schauern daran, dass es mit Debbie auch irgendwann mal soweit sein wird.
    NOCH haben wir ihre Krankheit recht gut im Griff und man sieht ihr an, daß sie sich gut fühlt. Aber wenn wir sehen, daß das nicht mehr so ist, dann wird auch für uns der Tag kommen, an dem wir diese schwere Entscheidung treffen müssen.
    • Kerstin  
      Danke Sigi.
      Ich habe ja auch schon mehrere Pferde gehen lassen müssen. Doch bisher war es immer so, daß ich mich erst danach auf ein neues Pferd eingelassen habe.
      Aber leicht war es nie. So oder so. Und ich glaube es ist einfach immer schrecklich.
  • Rami  
    Ja, das muss eine sehr, sehr schwierige Entscheidung sein - aber sie ist im Sinne des Pferdes und ihr lauft nicht vor der Verantwortung davon, das ist es, was zählt.

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