Leben mit und für die Pferde

Infos über die Klappe

Natürlich war meine neue Herzklappe in vielen Gesprächen in letzter Zeit das dominante Thema. Und es kamen verschiedene
Fragen auf.

Aber heutzutage gibt es ja Internet und so war der Hersteller -Medtronic- schnell recherchiert und ich habe dort nach
einem Ansprechpartner gefragt, der mir ein paar Fragen zu der Klappe beantworten könnte.
Nach zwei Stunden hatte ich schon eine Mailadresse des Ansprechpartners.

Ich schrieb als meine Fragen hin und bekam sehr schnell das Angebot zu einem Telefongespräch. Wir telefonierten dann in
der letzten Woche fast zwanzig Minuten. Das war ein echt spannendes Telefonat.

Zuerst fragte der Mann nach meinem Befinden und ich erzählte, wie ich die OP überstanden habe, und wie es mir seitdem
geht. Sicherlich auch für den Hersteller interessant mal "Kundenfeedback" zu bekommen.

Die folgenden Infos schreibe ich als Gedächtnisprotokoll. Ich kann nicht garantieren, dass die Informationen komplett
richtig sind.

Naja und dann ging es an meine Fragen. Der Herstelle hat Verträge mit verschiedenen Schlachhöfen, und dort sind speziell
geschulte Mitarbeiter, die die Schweineherzen für den Flug zum Klappenhersteller vorbereiten.
Anschließend werden die Klappen auf "Herz und Nieren" geprüft und evtl aussortiert. Die Ausfallquote liegt bei 95%.
Aber das ist halt Natur.

Schweineherzen ähneln unseren Herzen wohl sehr. Sie sind im Schwein wohl seitenverkehrt (im Vergleich zu unseren)
eingebaut. Außerdem gibt es da ein paar Muskeln und Halterung mehr, weil das Schwein ja auf vier Beinen läuft.

Meine Idee, dass die Klappen evtl. aus Stammzellen gezüchtet würden, trifft bei diesen Klappen nicht zu, allerdings
gibt es da wohl auch schon fortgeschrittene Forschungsergebnisse. Allerdings sollen dann direkt Stammzellen des
betroffenen Patienten genommen werden.

Die Klappen werden insgesamt vier Wochen vorbereitet. Zuerst kommen sie in eine Flüssigkeit, die die Verwesung der
Zellen verhindert und die Klappe elastisch hält. Anschließend werden die Klappen -auch durch Baden in einer Flüssigkeit-
gegen Verkalken gewappnet. Leider widersprechen sich beide Vorgänge so dass gerade das zweite Bad nicht so gut wirkt,
wie es ohne das erste Bad wirken würde.
Da die Klappe auch in beide Richtungen noch ein Stück Aorta mitbringt ist sie auch geeignet um den Ansatz der Aorta
direkt am Herzen zu ersetzen. Es sind wohl verschiedene Einbaumöglichkeiten vorhanden.

Durch die Behandlung wird die Klappe auch nicht mehr vom Körper abgestoßen. Allerdings wird sie noch als fremd vom
Körper erkannt und deswegen überzieht der Körper sie mit einer ganz dünnen Schicht eigener Zellen überzogen. Diese
dünne Schicht wird aber bei Ausbau der Klappe nicht zu sehen sein.

Am einen Ende der Klappe befindet sich Gaze. Diese verhindert zum einen, daß die Nähte nach Einbau der Klappe
ausreißen. Zum anderen befinden sich an dieser Stelle noch Muskelzellen, die nicht komplett entfernt werden können, die
wir aber zum einen nicht haben und zum anderen waren da wohl die Abstossungsreaktionen heftiger und mit der Gaze wird
der Kontakt verhindert.

Da die Klappe bis zum Einbau in Flüssigkeit gelagert werden muss, damit sie nicht austrocknet und schrumpelt, gibt es
keine Modelle für den Wohnzimmerschrank. Andernfalls hätte ich bestimmt eine bekommen können.
Stattdessen bekam ich aber am nächsten Tag Post mit der Langzeitstudie über 12 Jahre. Die Studienergebnisse sind alle
auf Englisch präsentiert, aber wenn man sich ein wenig einliest versteht man schon einiges. Wichtig zum Beispiel: Über
87% der Patienten hatten nach die Klappe auch nach 12 Jahren noch.

Die Haltbarkeit sinkt allerdings, je jünger der Patient ist: Dadurch dass der Stoffwechsel(Metabolismus) bei jüngeren
Menschen noch aktiver ist, halten die Klappen nicht solange.

Die Klappe ist seit Mitte der 90er Jahre auf dem Markt. In Lahr werden die Klappen seit 1996 eingesetzt. 2005 wurde die
1000.ste Klappe verbaut.

So, jetzt wissen wir, warum ich nach der OP nicht noch zwei Schnitzel von "Meinem" Schwein vorgesetzt bekommen konnte.
Dafür müssen wir uns aber auch nicht die Frage stellen, ob dass denn Kannibalismus gewesen wäre. Wahrscheinlich war
der Rest des Schweins schon lange wieder aus dem Supermarkt raus, als ich die Klappe bekommen habe.


Und wer sich mal anschauen will, wie so eine OP abläuft, schaut hier
Ich habe gerade mal angefangen und muss sagen, dass war schon komisch, weil ich den Vorraum von der OP ja kenne. Ich weiss noch nicht ob ich das zuende schaue...
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5 Kommentare

Linear

  • Sigi Blümel  
    Hochinteressantes Film-Material!! Aus zeitlichen Gründen habe ich mir nur die OP der Herzklappe angesehen.
    Das öffnen des Brustkorbes und die OP fand ich großartig. Beim verschließen des Brustkorbes wurde mir dann schon ein wenig mulmig.
    Ich finde es großartig, was in der heutigen Medizin alles schon möglich ist.
    • Christian  
      Respekt! Ich habe nach 37 Sekunden aufgegeben...
      Kerstin konnte das auch komplett schauen.

      Jetzt ist klar, dass ihr das regelmässig schauen müsst, dann macht Ihr zwei die WiederholungsOP bei mir in 10 Jahren selber... Da kriegen wir dann bestimmt Zuschüsse von der Krankenkasse....
  • Sigi Blümel  
    OK, dann besorge ich schon mal ein Handbuch und das nötige Werkzeug. Wir werden uns in diesen 10 Jahren dann einige Male treffen müssen um festzustellen, wer die eigentliche OP durchführt und wer assistiert. Das bekommen wir schon hin ;-)
  • Nele  
    Das ist schon echt krass, was heute so alles geht. Sehr beeindruckend! Das Video gucke ich mir aber gar nicht erst an. ;-) Sowas kann ich gar nicht gut sehen.

    Liebe Grüße
    Nele
    • Christian  
      Ja, und ich habe wirklich GLück gehabt, dass ich erst jetzt fällig war und nicht schon vor zehn Jahren. Da war das wohl noch alles wesentlich kritischer.

      Kerstin hat es gesehen während ich daneben saß, und dann kamen in Abständen immer Kommentare "das blutet ja kaum,... jetzt ist der Brustkorb offen....Da schlägt das Herz.... jetzt schlägt es nicht mehr...." war schon ein bisschen gruselig...

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