Leben mit und für die Pferde

Allein unterwegs

Heute hatte ich spontan einen Tag Urlaub nehmen müssen, und nutzte den Nachmittag zu einem kleinen Ausritt mit Jackson. Gegen 12 Uhr als ich mich auf den Weg machte, schien sogar die Sonne. Aber während ich Jackson fertig machte, fing es an zu regnen. Ziemlich doofe Sache.
Aber ich wollte mich nicht von meinem Ritt abbringen lassen und sattelte trotzdem.

Die Stimmung heute war seltsam. Um das zu erläutern, muss ich etwas weiter ausholen: Vor gut 15 Jahren war ich mit Eltern und Brüdern in Niedersachen in Urlaub. Damals entschieden wir spontan, doch das ehemalige KZ Bergen-Belsen zu besichtigen. Wir wussten nicht was uns erwartet. Als wir dort ankamen, konnten wir erst in einem Raum einen Film über die Befreiung des Lagers sehen. Die Menschen total abgemagert, die Knochen sichtbar. Nie vergessen werde ich, wie damals die Leichen der Gefangenen mit Bulldozern zusammengeschoben wurden, um sie dann in Massengräbern zu verscharren. (Tut mir leid, anders kann man es nicht nennen). Als wir das Lager dann besichtigten, sah man nicht mehr viel vom ursprünglichen Lager. Stattdessen nur die Hügel der Massengräber.Davor nur die Zahlen: 100.000 40.000 oder auch mal nur 10.000. Die Grabhügel waren bewachsen mit Heidekraut. "Nebenan" befindet sich ein Truppenübungsplatz der Bundeswehr. An dem Tag wurde geübt und wir hörten immer wieder Artellerie- und Maschinengewehrfeuer. Der Tag damals war sehr beklemmend und ist mir prägend in Erinnerung geblieben.

Heute konnte man vom Fliegerhorst in der Nähe auch Maschinengewehrfeuer hören. Und da kam mir der Tag von damals inklusive der Stimmung wieder in Erinnerung. Eigentlich eine komische Stimmung für einen Ausritt.

Jackson war etwas nervös und machte vor der Tür Probleme beim Aufsteigen. Aber wenn man dann mal etwas klarer macht, was man will, kommt er schnell runter. Bei den ersten Schritten zierte er sich ein wenig. Aber sobald wir im Feld waren, ging der Kopf runter und er stiefelte den ersten Weg ganz entspannt los. Nach der ersten Kurve legte er aber nen ordentlichen Gang rein. Trotzdem blieb er grundsätzlich entspannt.

Unser Trab war dann nicht so entspannt, so dass ich ihn auf dem Weg zweimal in den Schritt durchparierte. Beim dritten Trab war Jackson dann von der Sache ziemlich gernevt. An der nächsten Kreuzung trafen sahen wir eine Frau aus dem Dorf mit drei nicht erzogenen Hunden. Daher fährt sie immer ins Feld mit ihnen. Als sie uns kommen sah, verschwand sie hinter den Bäumen an ihrem Weg und ging auf dem Feld weiter.
Ich bog aber ab, so dass sie wieder auf den Weg wechseln konnte. Unser Galopp war dann sehr schnell. Jackson galoppiert ohne viel Bewegung, so dass ich nicht direkt merke, dass er mir eigentlich zu schnell ist. Jackson wird jetzt nicht so schnell, dass ich Panik bekäme, aber es ist ein Tempo, dass ich nicht zum Standardtempo werden lassen möchte.
Am Ende des Weges stand dann der Wagen der Spaziergängerin.

Eigentlich wollte ich noch einen Schlenker (hihi) machen, aber zum einen wollte ich die Spaziergängerin nochmal treffen und zum anderen regnete es noch immer. Wir gingen also langsam nachhause. Wir sahen die Hundefrau nochmal. Sie war gute 80 Meter in einen Querweg gegangen, um mir auszuweichen. Wäre ich hinterher gegangen, hätte sie ins Feld ausweichen müssen, weil sie in einer Sackgasse steckte. Aber ich bin ja nicht gemein.

Nachdem wir wieder eindeutig Richtung Hof unterwegs waren entspannte sich Jackson wieder komplett und nahm den Kopf wieder runter.
Die letzten beiden Wege bin ich dann gelaufen. Obwohl es nur eine kurze Runde war, war Jackson ordentlich geschafft. Er blieb problemlos hinter mir und lief auch jetzt mit dem Kopf unterhalb der Waagerechten.
Abgesattelt habe ich dann im Stall, während Joey neben uns stand und sich freute, dass wir wieder da waren. Dann gab es noch Möhren und Heu, und ich fuhr wieder nachhause.

Ich hatte den GPS Logger mit, ich bin mal gespannt, was Kerstin da gleich ausliest. Ich hatte mit 100 bis 120 Minuten Rittdauer gerechnet. Im Endeffekt waren es dann knapp 90.
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3 Kommentare

Linear

  • Kerstin  
    Also es waren dann wohl doch nur ca 80 Minuten und 7,29 km Strecke. Somit hattet Ihr ein T von etwas mehr als 10 (genaue Daten in der Statistik).
  • Sigi Blümel  
    Hut ab vor dir!
    Hätte ich mich an so ein negatives Ereignis erinnert, so wäre ich vermutlich gar nicht erst aufgestiegen.
    Ich hätte Angst gehabt, dass sich meine negative Stimmung aufs Pferd überträgt.
    Aber so war es ja doch noch ein netter Ausritt :-)
  • Sigi Blümel  
    Hier habe ich auch gerade die Nachricht bekommen, jemand hätte noch einen Kommentar abgegeben.
    Äußerst merkwürdig.....

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