Wir waren gegen halb zwölf wieder zuhause. Ludwig war zuerst schüchtern, freute sich dann aber sehr mich zu sehen, und
liess sich auch ausführlich kraulen, nachdem er dann auch Kerstin begrüßt hatte.
In der Küche fand ich einen "Schön dass du wieder da bist" Kuchen, den Kerstin noch am Vortag gebacken hatte und
nachdem wir ausgepackt hatten, gab es auch noch ein leckeres Mittagessen.
Anfangs wusste ich wirklich nichts mit mir anzufangen. Aber nachdem wir dann nachmittags direkt eine gute Stunde mit
dem Hund gegangen waren, kam ich so langsam wieder an. Kerstin war natürlich besorgt, dass ich mir zuviel zumute, und
wirklich wissen konnte ich auch nicht, ob ich eine Stunde durchhalte. Aber im Endeffekt war es kein Problem.
Auch die Pferde waren nachher sehr neugierig auf mich. Und ich musste feststellen, dass die Wiesen jetzt wirklich
nach Winter aussehen.
Als wir schliesslich wieder zuhause waren, war ich schon ordentlich geschafft.
Donnerstags ging es dann zum Hausarzt, der mit meinem ersten Eindruck sehr zufrieden war. Wir werden jetzt
erstmal meinen Blutdruck medikamentös einstellen. (Das Herz musste ja in den letzten Monaten unheimlich viel Kraft
aufwenden um seinen Job zu verrichten, das müssen wir ihm wieder abgewöhnen).
Leider hat die Reha-Klinik nicht geschafft, mir direkt einen vollständigen Arztbrief mitzugeben, es gab nur eine
Ultrakurzversion. Jetzt warten wir gemeinsam mit dem Hausarzt auf die lange Version, damit wir mal schauen können, wie
es mir denn aus medizinischer Sicht so geht. Aber sonst machte der Hausarzt den Eindruck, als wenn ich schon bald
wieder arbeiten gehen könne.
Ein Problem ist hier noch das durch die OP-Klinik ausgesprochene Fahrverbot. Ich soll zwei Monate nicht Autofahren. Was
es schwer macht zur Arbeit zu kommen. Nach Herzoperationen ist wohl allgemein ein Fahrverbot von 3 Monaten angezeigt.
Der Arzt darf das verkürzen. Da müssen wir mal diskutieren.
Um es einmal klar zu formulieren: ich bin ziemlich fit und schon in der Lage einiges an Belastungen zu stemmen. Gefühlt
tritt mein Herz in den Hintergrund. Schlimmer sind die Störungen im Brustkorb und die Narbe.
Seit gut einer Woche kann ich auch wieder auf der Seite schlafen. In eine entsprechende Schlafposition zu kommen ist
noch ein wenig schmerzhaft, aber wenn ich dann einmal liege ist es gut.
Natürlich sind viele Leute von meiner Fitness überrascht, am kommenden Dienstag ist die Operation gerade mal 6 Wochen
her.
Kerstin und ich merken, dass wir uns zwar freuen, wenn sich Leute nach meinem Befinden erkundigen, aber uns
beschäftigt doch mehr, was dieser Eingriff und seine Folgen in unseren Gefühlen angerichtet hat.
Gerade in der Reha gab es Zeiten, in denen mich der Eingriff viel mehr im Kopf als körperlich beschäftigte.
Und das ist halt einfach kein Thema für zwischendurch.
Für Aussenstehende ist die Operation natürlich eine ganz große Sache, die irgendwie "Eindruck macht" Für uns ist es mit
der überstandenen Operation nicht vorbei: Nicht nur, dass ein großer Teil der Arbeit hier noch 6 bis 7 Wochen an
Kerstin hängen bleiben wird, die Heilung des Brustkorb wird sich bis in den Sommer hinein ziehen.
Und dann kommt natürlich die halbjährliche Kontrolle bei Kardiologen dazu. Bisher bin ich da ja nur jährlich gewesen,
und es war ja immer alles in Ordnung. Jetzt wird aber die Frage, ob noch alles in Ordnung ist, bei jeder Kontrolle im
Raum stehen.
Das klingt jetzt vielleicht weinerlich, ist aber gar nicht so gemeint. Es geht hier nur um unsere Perspektive der
ganzen Sache.