Urlaub zu haben ist toll. Noch toller ist es, wenn man im Urlaub auch noch solch tolles Wetter hat.
Für heute hatten wir geplant in die Drover Heide zu fahren, um dort mit den Pferden einen schönen Ausritt zu machen.
Da wir uns mit niemandem verabredet hatten, waren wir zeitlich komplett flexibel und machten uns überhaupt keinen Stress am Morgen.
In aller Ruhe standen wir gegen acht Uhr auf und frühstückten bevor wir uns auf den Weg zum Stall machten.
Dort angekommen erledigten wir alles in Arbeitsteilung: Ich fütterte und machte den Stall, während Christian alles Notwendige ins Auto packte und den Hänger anhängte.
Gemeinsam putzten wir die Pferde und brachten sie anschließend auf den Paddock zum Verladen.
So schnell wie heute waren wir noch nie abfahrbereit. Übung macht doch wirklich in jeder Hinsicht den Meister.
Da die Fahrt nicht lange dauert, konnten wir schnell wieder ausladen und satteln.
Um kurz vor elf konnte unser Ritt starten.
Eine Spaziergängerin mit zwei Hunden kam gerade bei ihrem Auto an, als wir los wollten.
Sie meinte zu Ludwig gewandt :"Der ist aber auch noch nicht ganz fertig, was?"
Ich war etwas verwirrt, was genau sie meinte, denn Ludwig hatte auf das aggressive Bellen ihrer Hunde geantwortet und ich war mir nun nicht sicher, ob sie meinte ER habe sich falsch verhalten.
Daher kam mein "Wieso?" wohl ein bißchen ruppig rüber.
Sie hatte wohl lediglich gemeint, daß Ludwig noch recht jung sei und in dieser Hinsicht noch nicht "fertig".
Hach immer diese Missverständnisse....das passiert mir leider schon mal öfter
Christian und ich bemerkten dadurch aber mal wieder, daß Ludwig von Fremden immer direkt als junger Hund erkannt wird.
Uns fällt das gar nicht so auf, wo wir ihn doch jeden Tag sehen. Aber so ist das ja immer (nicht wahr, Sigi ?).
An der Bank einige Meter weiter stiegen wir in die Sättel.
Ludwig war voller Vorfreude kaum in der Lage ruhig sitzen zu bleiben und zu warten.
Das schöne an der Heide ist, daß die Landschaft so abwechslungsreich ist: Es gibt offene Stücke mit Heidekraut, kleineren Sträuchern und einzelnen Bäumen und dann auch wieder Waldstücke. Manche Wege sind hart und trocken, an anderen Stellen gibt es kleine Tümpel, in denen sich die Frösche tummeln.
Da heute ein Wochentag war, war es ausgesprochen ruhig und wir begegneten kaum jemandem. Immer wieder hörten wir - mir unbekannte - Vogelschreie.
Herrliche "Einsamkeit".
Wir hatten beide gute Laune und alberten immer wieder mal rum.
Am nördlichen Ende der Drover Heide - bei Stockheim - gibt es ein kleines Waldstück, in dem wir uns beim letzten Mal ein bißchen verritten hatten.
Als ich Christian heute fragte, ob wir dort noch einen Schlenker reiten wollten, meinte er nur grinsend: "Ja, falls Du dieses Mal den Weg findest"
Beim letzten Mal hatte ich meine kopierte Karte verloren und konnte mich deshalb nicht mehr vergewissern, welchen Weg wir nehmen mußten.
"Ich hab doch die Karte dabei!" antwortete ich ebenfalls grinsend.
Schnell zog ich mein Handy aus der Tasche und führte uns mit Hilfe der App "Orux Maps" sicher auf den richtigen Weg.
Hach... ich liebe diese technischen Hilfsmittel einfach.
Unterwegs fielen uns immer wieder an verschiedenen Stellen Geschichten ein, die wir uns dort bei einem der letzten Ritte erzählt hatten, oder Ereignisse, die dort passiert waren.
So langsam ist das Gelände der Heide nicht mehr fremd für uns.
Auf dem Weg zu unserem geplanten Pausenplatz trafen wir auf eine Seniorin mit ihrem Fahrrad.
Sie sprach uns an, ob sie uns wohl eine Frage stellen dürfte.
Wo wir denn unsere Pferde stehen hätten, wollte sie wissen.
Wir erzählten, daß wir mit dem Hänger gekommen waren und sie antwortete darauf: "Wer hier reiten darf, ist ein echter Glückspilz! So schön ist es hier. Als ich vor 25 Jahren noch geritten bin, waren hier noch die Belgier (die Drover Heide ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz)!"
Wir wünschten uns gegenseitig noch einen schönen Ritt (ich ihr auf ihrem "Drahtesel").
Sie lachte und meinte: "Ja, wenn ich die Augen schließe, kann ich mir vorstellen zu reiten"
Christian und ich lächelten uns an und stellten fest, daß von solchen Begegnungen beide Seiten profitieren und soviele positive Energien ziehen können.
Einfach schön !
Wenig später erreichten wir den "offenen Waldpilz", an dem wir Pause machen wollten.
Ich packte unser mitgebrachtes Satteltaschenpiknik aus und wir ließen es uns schmecken, während die Pferde ein bißchen grasten.
Lieber hätten sie allerdings aus von den Brötchen und dem Kuchen genascht.
Eine halbe Stunde ließen wir es uns gut gehen, bevor wir wieder in den Sattel stiegen und uns auf den Rest des Weges machten.
Ludwig konnte es auch jetzt wieder kaum erwarten, bis es weiter ging. Pausen - wer braucht den sowas ?
Das letzte Wegstück führten wir die Pferde wie immer.
Zurück am Hänger sattelten wir ab und verstauten wieder alles im Auto.
Die Sattellagen putzen, Hufe auskratzen und ab mit den Pferden in den Hänger. Ludwig ins Auto und ab ging´s nach Hause.
Ausladen und auspacken und schnell war alles wieder an seinem Platz.
Um 15 Uhr saßen wir im Auto und fuhren nach Hause.
Knapp eine Stunde nachdem wir mit den Pferden am Hänger angekommen waren.
SO schnell waren wir wirklich noch nie.