Es wird biblisch
Ich hatte Donnerstag und Freitag schon einige Telefonate geführt. Die Besichtigung, die wir uns ursprünglich für heute vorgenommen hatten, fiel aus.Eine Besichtigung haben wir dann spontan vorgezogen. Ich hatte eigentlich ein sehr distanziertes Gefühl: Traberwallach, 11jährig, westerngeritten, angegebener Preis war ok, allerdings sollte der maß-angepasste Westernsattel extra kosten. Das Stockmaß war mit 160cm angegeben. Das war wirklich die Obergrenze für mich .
Etwas misstrauisch war die Aussage am Telefon: Kein Anfängerpferd und die ersten Käufer haben ihn nach zwei Wochen zurückgebracht.
Aber gut, irgendwann muss man ja mal anfangen und sich ein Pferd angucken. Also habe ich da heute morgen angerufen, mir die Adresse geben lassen und dann ging es ab ins Auto.
Die Wegbeschreibung, die ich mir ausgedruckt hatte, hatte ich mir nicht genauer angeschaut. Etwas erstaunt waren wir dann, als wir bei Kripp mit der Autofähre über den Rhein setzen sollten. Das war dann nochmal ein besonderes Highlight für uns.
Als wir dann ankamen wurden wir nett begrüsst und konnten den Wallach dann anschauen. Er hat einen sehr hohen Widerrist, der Rücken ist dann etwas tiefer. Optisch fand ich ihn direkt gut. Wir erzählten erst ein bisschen, und irgendwann ging ich dann auf den Paddock. Er schnupperte mal, und dann konnte ich ihn direkt überall berühren. Er gab problemlos Hufe, (alle 4) Er war neugierig, interessierte sich für uns, war aber nicht aufdringlich.
Süss, wie er mich abschnupperte, um nach Leckerchen zu suchen. Da bin ich von meinem Hafi andere Aktionen gewöhnt.
Jetzt wo ich weiss, dass das ein "Betteln" ist, würde ich das natürlich nicht mehr dulden.
Zurückgekommen von den ersten Käufern ist er wohl, weil er denen zuviel Vorwärtsdrang hatte und der Mann für den er gedacht war, war absoluter Anfänger. Das Käuferpaar versuchte das Pferd in der Probezeit noch schlecht zu machen, um den Preis zu drücken. So kam er dann zurück.
Er ist wohl mal ein paar Trabrennen gelaufen, war aber nicht erfolgreich. Daher wurde er dort relativ schnell ausgemustert. Die jetzige Besitzerin hat ihn jetzt 5 Jahre.
Jackson, oder Jack, wie er genannt wird, bekam dann das Knotenhalfter auf, wurde ans Tor gestellt und blieb stehen. Dann wurde er gesattelt und eine Freundin der Verkäuferin begleitete uns ins Gelände.
Die ersten 3 Wege durch das Dorf habe ich ihn dann geführt. Jack war sehr aufmerksam, blieb ordentlich hinter mir, guckte nicht links und nichts recht, und blieb stehen, wenn ich stehen blieb.
Das Aufsteigen war kein Problem, er blieb auch dabei 1a stehen. Der Schritt war zügig, aber angenehm zu sitzen. Bei einigen Dingen wurde er aufmerksam, aber er ging überall problemlos vorbei.
Seine anderen Gänge auszuprobieren war ein bisschen doof, weil es schon sehr gebirgig war und man im Wald oft nicht weit gucken konnte,
Aber wow, die 6 Wochen Beritt konnte man merken, Das Pferd trug sich gut, Nahm beim ersten Galopp den Kopf weit runter.
Ich konnte sowohl im Trab als auch im Galopp gut sitzen. Er ist natürlich schneller als Sassico, aber ich bekam keine Angst. Das finde ich ja schon wichtig. Dadurch dass ich nur kurze Strecken Tempo machen konnte, heizte er sich etwas auf, wurde im Schritt etwas aktiver und wollte laufen, Aber er liess sich händeln und blieb im Schritt.
Den Rückweg ist dann Kerstin geritten. Als ich nach einem Galopp von hinten aufholte, erschrak das Begleitpferd, Jackson blieb ruhig.
Das hatte die Besitzerin aber auch angekündigt. "Jack bleibt cool, wenn die anderen sich aufregen"
Kerstin führte auf dem Rückweg und war da auch mit seinem Verhalten zufrieden.
Nach dem Absatteln hat Kerstin dann noch versucht, mit ihm Bodenarbeit zu machen. Prinzipiell kennt er Bodenarbeit, aber da gab es die gleichen Verständigungsprobleme wie beim Reiten: Sagt man Wooaa, Steh oder halt?
Jack versuchte Kerstin bei der Bodenarbeit zu gefallen und man sah ihm an, dass er nachdachte und versuchte die Aufgaben zu lösen. Kein Anzeichen von Widersetzlichkeit.
Er blieb auch gerne bei uns stehen, ließ sich kraulen, während wir mit der Besitzerin redeten.
Er machte insgesamt einen Eindruck, der sehr an Joey erinnere und wesentlich weniger an Sassico.
Wir hatten uns jetzt 1,5 Stunden mit dem Pferd und seinem Umfeld beschäftigt. Aussagen von Verkäufern kann man nicht nachprüfen, aber wir hatten schon das Gefühl, dass sie ehrlich ist. Die Information, dass er zurückgekommen ist, hätte Sie uns ja nicht geben müssen.
Kerstin und ich setzten uns dann nochmal 10 bis 15 Minuten ins Auto und diskutierten unser weiteres Vorgehen. Dass er in Frage kam, war klar. Wir hatten bisher kein Haar in der Suppe gefunden. Sollten wir nochmal mit jemand drittes kommen? Auf der anderen Seite müssten wir die Entscheidung sowieso selber treffen. Und jemand drittes würde auch nicht mehr ausprobieren können als wir.
Aber sollten wir wieder das erste angeschaute Pferd nehmen? Ich habe noch versucht, Gründe gegen Jackson zu finden. Aber mir fiel nichts ein.
Ich brauche ja immer etwas, bis ich bei solchen Dingen emotional reagiere. Das Pferd ist mir symphatisch, ja, mir ist bewusst, dass ich da was ganze anderes als den Hafi bekomme, und ich noch einiges lernen muss. Aber ansonsten: Keine negativen Punkte, Er bleibt im Budget, was wollen wir mehr.
Also sind wir wieder hin und haben gesagt, dass wir ihn nehmen, wenn wir ihn nicht sofort nehmen müssen. Aber es ist ja kein Notverkauf. er steht dort direkt am Haus mit zwei anderen im Offenstall. Er wird dieses Jahr also direkt ordentlich Winterfell bekommen.
Wir haben dann vereinbart, dass wir ihn in den nächsten vier Wochen abholen kommen, dann machen wir auch den Kaufvertrag. Heute haben wir den Handel nur per Handschlag besiegelt. Den anderen Interessenten will sie jetzt absagen.
Jetzt haben wir Zeit den Hafi zu verkaufen und hoffen, dass wird das jetzt so hinbekommen, dass wir nur eine Woche 3 Pferde zu versorgen haben.
Verladen soll wohl kein Problem sein, Im Winter ist er bisher immer Barhuf gegangen. Die Eisen hinten werden noch abgemacht, die Eisen vorne können wir dann hier abmachen lassen.
Achja, warum es biblisch wird? Die Vorvorbesitzer nannten ihn wohl Jakob, und es gibt ja Leute, (nicht wahr, Sigi
Jakob und Joseph, wenn das nicht mal biblisch ist.
Wir haben übrigens das Gefühl, dass die beiden charakterlich richtig gut zusammenpassen. Warten wir es ab.
Hier noch ein paar Bilder, nicht wundern auf fremden Pferden sind auch wir mit Kappe unterwegs.








na wenn das nicht biblisch ist............
Jakob und Joseph - ich finde das klingt passend.
Ich wünsche dir, daß es besser als mit Sassicco paßt.
Gratuliere dir herzlich und wünsche dir ganz viel Spaß mit einem gesunden Traber.
LG, Sigi