Es gibt für alles eine Zeit
und dieses Wochenende war die Zeit eine Entscheidung zu treffen. Hätte mir jemand vor 24h gesagt, dass ich das folgende schreibe, hätte ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt.Wir haben in den letzten 20h den Entschluss gefasst Sassico durch ein anderes Pferd zu ersetzen. Das heißt wohl, dass wir ihn verkaufen und etwas anderes kaufen.
Gestern nachmittag kam Kerstin von den Pferden. Sie hatte mit Sassico mal wieder Hängertraining gemacht. Er war aber mal wieder nicht bereit zu kooperieren. Kerstin kam gestern sehr gefrustet nach hause, und wir sprachen zum ersten Mal diese Gedanken aus, die wir uns bisher immer verboten haben.
Schließlich war es für uns gesetzt, das wir kein Pferd verkaufen, und unsere Pferde bei uns eine Lebensstellung haben.
Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht, und sie fühlt sich -rein rational gesehen- leider sehr richtig an.
Ich versuche mal unsere Gründe darzulegen, mündlich geht das sehr gut, schriftlich finde ich das viel schwerer.
Egal wie man anfängt, es kommt immer auf einen Punkt: Wir passen nicht zusammen.
Da sind zum einen die Dinge, die wir mit Sassico machen. Er lässt nie, aber auch wirklich nie, Freude und Spass erkennen. Wir bekommen von ihm nur zwei Reaktionen: er erduldet, was wir mit ihm machen, oder er geht auf Konfrontation.
Wir wissen nach 5 Jahren noch immer nicht, woran er Spass hat. Ausreiten? Nach einer Stunde fängt er an zu schleichen, weil er keine Lust mehr hat.
Bodenarbeit? Alles was über 15 bis 20 Minuten hinausgeht, führt zu Abwehrreaktionen seinerseits. Und die sind leider nicht ohne.
Hängertraining? War solange kein Problem, wie es sehr schnell ging, Pferd rein, zumachen, aufmachen, Pferd wieder raus und fertig.
Jetzt wo es etwas länger dauert, weil er nicht zulässt, dass wir die Stange zu machen, geht er spätestens nach dem dritten Mal wieder auf Konfrontation.
Klar, wir haben oft gesagt, dass wir dann nicht mehr fordern als das Hafi geben will. Aber es kann doch nicht sein, dass er uns die Kompromisse diktiert.
Es wird besser, wenn wir Sassico über mehrere Tage täglich ausführlich beschäftigen. Dann ist er ausgelastet genug, um kooperativer zu werden.
Das ist wohl typisch für Haflinger: Haflinger brauchen wohl regelmässigste Arbeit.
Aber das kann und will ich wirklich nicht leisten. Wir haben überlegt, ob wir es 8 bis 9 Monate im Jahr schaffen, ihn unter der Woche 4 mal zu beschäftign, damit er am Wochenende zufrieden ist.
Das ist uns nur sehr schwer möglich, und wenn die Arbeit mit dem Pferd so zur Pflicht wird, werden wir sicherlich über kurz oder lang die Lust verlieren.
Wir könnten natürlich immer, wenn wir erwas mehr von ihm wollen (Verladen, Wanderritt usw), zwei Wochen vorher anfangen ihn täglich zu arbeiten. Aber das nimmt ja jede Möglichkeit zu spontanen Handeln.
Als wir vor 5 Jahren Sassico gekauft haben, suchten wir ein Pferd mit dem man mal ne Stunde oder zwei um den Hof zockeln kann. Er musste nicht viel können, nur brav sein, und ein gewisse Coolness erkennen lassen.
Nun haben sich aber unsere Anforderungen an ein Pferd ziemlich verschoben, und Sassico kann und will diesen Ansprüchen wohl nicht genügen.
Er hat einfach keinen Spass daran stundenlang durch die Gegend zu zockeln. Ausritte sind für ihn leider keine geistige Herausforderung mehr, weil dort einfach nichts passiert, was ihn kopfmässig fordert.
Nun haben wir ja auch einiges probiert, um ihn mehr an das Wanderreiten heranzuführen. Bei Joey haben wir ja das Gefühl, dass er Spass hat wenn die Ritte länger sind, Kerstin behauptet ja, dass er noch motivierter ist, wenn wir mit den Packtaschen kommen.
Aber bei Sassico hat man das Gefühl nicht.
Es macht mir ja nun auch keinen Spass, spätestens nach 2h mit meinem Pferd hintern den anderen zu herzu zockeln, weil er das Tempo nicht mehr halten kann. Dauerndes Treiben ist ja auch nicht sinnvoll, und dass die Mitreiter immer warten müssen, macht ja auch keinen Sinn.
Es ist jetzt nicht so, dass ich hier jetzt absichtlich alles "schlecht" reden will, wir waren jetzt nur mal ehrlich uns selber gegenüber.
Aber wenn man jetzt hier ein Fazit zieht, muss man sich fragen, ob es fair ggu. Sassico ist, wenn er nur Dinge leisten soll, die ihm keinen Spass machen.
Ich habe mir anfang des Monats (vor der grossen Hitzewelle) mal testweise eine Stunde auf der Wiese gemacht und mir ein paar Dinge zeigen lassen, was Sitz und Zügel angeht. Das war seit langem das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, dass Sassico interessiert und aufmerksam mitarbeitet.
Vielleicht sollten wir ihm einen Platz suchen, an dem er regelmässiger in kleineren Einheiten gefordert wird.
Sassico hat in den letzten 5 Jahren viel gelernt, aber wenn wir ein kritisches Fazit ziehen, ist das in unseren Augen nicht genug.
Wir sind ja schon immer mal wieder darauf angesprochen worden, ob wir Sassico nicht austauschen wollen. Wir haben immer scherzhaft geantwortet: "Wer will den denn kaufen? Und wenn wir ehrlich sind , kauft den doch keiner."
Aber wir kennen ihn jetzt gut genug, um auch seine Stärken bei einem Verkauf in den Vordergrund stellen zu können und auch Möglichkeiten an seinen Schwächen zu arbeiten können wir aufzeigen. Wir selber haben leider nicht die Fähigkeiten, um das hinzubekommen.
Wir könnten natürlich auch sagen, dass wir nur das machen, was Sassico zulässt: also immer mal zwei Stunden die Woche um den Hof zockeln. Aber ich denke, auf Dauer würde er darunter leiden müssen, dass er uns so einschränkt.
Und ist es nicht fairer, zu versuchen ihm einen Platz zu besorgen, an dem von ihm das gefordert wird, was ihm Spass macht?
Ich denke schon.
Also rational steht die Entscheidung, aber emotional geht es mir noch nicht ganz gut damit. Ich habe ein wenig das Gefühl, ihn zu verraten. Aber ich sage mir immer wieder, dass ich ihm und seinen Interessen nicht gerecht werden kann, so wie er meinen Interessen nicht gerecht werden kann. Und da muss man doch nicht zusammen bleiben.
Ich würde ihn ja auf die Wiese stellen, aber er ist mit 11 Jahren einfach zu jung für die Rente. Und auch das würde ihm nicht gerecht.
Und noch was zu den Emotionen: Ich werde zu einem Pferd nie eine so enge Beziehung aufbauen können, wie es irgendwelche Pferdemädchen machen. Ich bin halt kein grosser Knuddler. Aber das bisschen knuddeln, dass ich Sassico anbiete, wird immer nach sehr kurzer Zeit von ihm beendet.
Jaja, ich weiss, Pferde haben keine Emotionen. Trotzdem sollte nach 5 Jahren die Beziehung zwischen uns beiden enger sein.








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