Heute sind wir nicht geritten. Und in der nächsten Zeit werden wir wohl auch nicht mehr gemeinsam reiten.
Doch ich sollte vorn anfangen.
Vor ziemlich genau anderthalb Jahren begann Joey zu shaken. Wir haben darüber berichtet:
ein fader Beigeschmack.
Damals haben wir auch den Tierarzt geholt, um die Diagnose zu klären:
Theorie bestätigt.
Damals begann ich Joey beim Reiten eine Fliegenmaske und ein Nasennetz anzuziehen und so konnten die Symptome deutlich gebessert werden; häufig verschwanden sie ganz.
Joey schien weiterhin sonst keine Einschränkungen dadurch zu haben und so ritt ich ihn normal weiter. Im Winter brauchte ich Maske und Netz meist gar nicht, da er auch ohne nicht shakte.
Auf der Wiese, also wenn er eben nicht arbeiten mußte, shakte er eigentlich nie.
Jetzt ist alles anders.
Im letzten Winter hat das Shaken auch mit Maske und Netz eigentlich nie aufgehört. Beim Führen und Longieren ist es inzwischen auch sehr stark ausgeprägt.
Da wir durch Christian´s OP im Winter nicht viel geritten sind und auch sehr viel anderes im Kopf hatten, hab ich schon länger nichts mehr dazu geschrieben und hab auch nicht viel darüber gesprochen.
Doch in meinem Kopf kreisen schon länger Gedanken darüber, wie es weitergehen soll und kann mit Joey.
Morgen wird er zwanzig und da er ja ansonsten noch fit ist, war der ursprünliche Plan, ihn noch ca. 2 Jahre an sein Alter angepaßt zu reiten und dann langsam in Rente zu schicken. Immer noch denke ich an seinen Zusammenbruch im letzten Jahr (
So etwas bitte niemals wieder !) und dementsprechend wollten wir unsere Ritte planen.
Doch seit gestern hat sich unsere Meinung dazu deutlich verändert.
Nach meiner Arbeit gestern wollten wir ausreiten ,und weil Joey beim letzten Ritt dauernd versuchte nach dem Nasennetz zu schnappen (also den Eindruck machte, als störe es ihn zusätzlich), ließ ich es diesmal weg.
Das war ein großer Fehler. Joey shakte sehr extrem und war eigentlich nicht mehr kontrollierbar. SO ist das Reiten mit ihm definitiv zu gefährlich.
Also drehten wir um und ich machte das Netz doch noch drauf.
Danach war es zwar deutlich besser, aber immer noch sehr stark.
Dadurch angeregt, begannen Christian und ich eine Unterhaltung über Joey´s Zukunft und es war uns beiden klar, daß wir Joey wohl doch früher als gedacht in Rente schicken müssen.
Denn es ist nicht nur, daß es beim Reiten schlimmer geworden ist, sondern auch auf der Weide fängt es inzwischen an. Jackson merkt scheinbar, daß Joey nicht mehr ganz fit ist und beginnt um den Chefposten zu kämpfen. Sobald er dies deutlich zeigt, beginnt Joey auch zu shaken.
Gestern Abend machte ich mich für eine Recherche über
Headshaking ins Internet auf und fand dabei diese Seite:
Infos über Headshaking von einem Tierarzt.
Die ist sehr umfassend und informativ, und da sie von einem Tierarzt einer großen Pferdeklinik verfaßt wurde, halte ich sie auch für glaubwürdig.
Während ich Christian die Inhalte der Seite vorlas, wurde uns beiden schlecht:
•Von den zehn dort genannten Symptomen weist Joey neun eindeutig auf
•Joey befindet sich in Gruppe 3 mit Tendenz zu 4 (übliche Einteilung der Stufen in Deutschland)
Besonders furchtbar zu lesen war für mich dieser Abschnitt:
Inzwischen geht man davon aus, dass der Trigeminusnerv das eigentlich erkrankte Organ ist. Der Trigeminusnerv ist ein großer Gesichtsnerv, der unter anderem die Kaubewegungen steuert und für sensorische Wahrnehmungen im Gesicht verantwortlich ist. Der Trigeminus Nerv versorgt unter anderem die Nüstern und den Nasengang mit sensorischen Fasern. Davon ausgehend, dass Headshaking der Trigeminusneuralgie des Menschen ähnelt, muss von erheblichen Schmerzwahrnehmungen für das Pferd ausgegangen werden. Das Gefühl kann man sich vielleicht etwa so vorstellen, wie wenn ein Weidezaungerät an den Gesichtsnerv angeschlossen wäre (angenehme Vorstellung? Nicht wenige Menschen mit Trigeminusneuralgie - bei denen sich der Schmerz etwas anders äußert - treibt es in den Selbstmord).
Damit stand für mich sofort fest, daß ich Joey nicht mehr reiten werde, denn ich werde kein Pferd reiten, daß Schmerzen hat.
Aber auch longieren und spazierengehen fällt damit flach und wir fragen uns nun, ob er dann nicht auch auf der Weide Schmerzen hat.
Ausgehend von dem Zeitraum, in dem sich seine Symptone bisher verschlechtert haben, ist zu befürchten, daß er innerhalb des nächsten Jahres nur noch in einem abgedunklten Stall stehen könnte. DAS ist aber für mich kein lebenswertes Leben mehr für ein Lauftier und ganz besonders nicht für Joey, der schon immer ungern in dunkle Gebäude gegangen ist.
Ich habe mich nun entschieden morgen in die Praxis unseres Tierarztes zu fahren und mit ihm über die ganze Sache noch mal ein ausführliches Gespräch führen. Dabei werden wir wohl auch entscheiden, wie es weitergehen wird.